Pandora


Pandora
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Von Hephaistos* auf Befehl des Zeus* geschaffene und von allen Göttern mit unterschiedlichen Gaben bedachte erste Frau. Von Aphrodite* bekam sie Liebreiz, von Athene* Geschicklichkeit, von Hermes* aber »hündischen Sinn und tückische Arglist«. Dann wurde sie zur Strafe für den Feuerdiebstahl des Prometheus** auf die Erde geschickt und von Epimetheus* trotz der Warnungen seines Bruders aufgenommen. Dem hatte Zeus nämlich angedroht, er werde ihm selbst und den künftigen Generationen ein Übel senden, das alle lachend umarmen würden. Der leichtsinnige Epimetheus vergaß auch prompt beim Anblick der Schönen, daß er jede Gabe des Zeus zurückweisen müsse, um die Sterblichen vor Unheil zu bewahren. Bis dahin hatten die Menschen nämlich ohne Krankheit und Schmerzen gelebt, doch kaum hatte Pandora den Deckel von einem großen Vorratsgefäß abgenommen, da flogen alle Übel heraus und stürzten sich auf die Menschen. Nur die Hoffnung blieb zurück, als Pandora den Deckel wieder auflegte (Hesiod: Werke und Tage 56–105). Der von Hesiod als »Allbeschenkte« verstandene Name Pandora bedeutet mit Sicherheit »Alles gebend« und war ein alter Beiname der Großen Muttergöttin, zu deren Symbolen auch das Gefäß gehörte. Bei Hesiod werden die
Elemente des Mythos in eindeutig frauenfeindlicher Tendenz mit den beiden Fassungen der Prometheus- Geschichte verquickt. In der ›Theogonie‹ (570–613) ist das (noch namenlose) erste Weib selbst das Übel. In den ›Werken und Tagen‹ kommt die sogenannte »Büchse der Pandora«, eigentlich ein großes Vorratsgefäß (gr. pithos), hinzu, von dem nicht gesagt wird, ob es Pandora mitbringt oder ob sie es im Haus des Epimetheus vorfindet, ob sie es aus Neugier oder in böser Absicht öffnet und was es besagen soll, daß die Hoffnung darin bleibt.
Offenbar bestand in frühen patriarchalischen Gesellschaften die Neigung, das weibliche Geschlecht für das Böse in der Welt verantwortlich zu machen, ja, es selbst als böse anzusehen; der Vergleich von Pandora mit Eva liegt nahe und wurde auch immer wieder gezogen. So schuf Jean Cousin der Ältere um 1594 das Bild ›Eva prima Pandora‹ (Eva als erste Pandora; Louvre, Paris), auf dem sich eine schöne Frau mit dem rechten Arm auf einen Totenkopf stützt, während ihr linker sich um das verhängnisvolle Gefäß legt. Positiver als der Renaissancemaler sahen Christoph Martin Wieland (1779) und Goethe (1808) in ihren Pandora-Dramen die erste Frau, während Frank Wedekinds Tragödie ›Die Büchse der Pandora‹ (1902; 1913 mit dem ›Erdgeist‹ unter dem Titel ›Lulu‹ zusammengefaßt) die Heldin als naivböses Triebwesen
erscheinen läßt, als »das wahre Tier, das wilde, schöne Tier«, das die Männer reihenweise ins Unglück stürzt. Ausgesprochen »sexy« ist Pandora auf dem gleichnamigen Gemälde von William Etty dargestellt (1824, Leeds, City Art Gallery). Ettys Stärke waren allerdings auch Akte nach lebenden Modellen. Auf eine kunsthistorisch-literarische Spurensuche begaben sich Dora und Erwin Panofsky in ihrem lesenswerten Buch ›Die Büchse der Pandora‹ (englisch: Pandora's Box, 1956; deutsch von Peter Krumme, 1992), auf dessen Titelbild der Eingeweihte Cousins Pandora erkennt.

Who's who in der antiken Mythologie. 2013.

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